Wie weit kommt man auf dem Oktoberfest mit Englisch?

„To the Festwiese? Hier entlang!“

Sie geben sich Mühe, die Münchner. Wer am Hauptbahnhof landet und nur ein Ziel kennt – nämlich die Wiesn – dem weisen etliche Plakate mit einem Pfeil und der Aufschrift „Festwiese“ den Weg. Will man sich ein Ticket für die U-Bahn kaufen, geht’s mit einem Klick zur Auswahl auf Englisch. Und weil man für all die Menschen aus Italien, Amerika und Australien richtig gut vorbereitet sein will, stehen immer wieder Helfer bereit, die sich um verlaufene Wiesn-Touristen kümmern. Alles schön und gut – aber wie klappt die Verständigung zwischen nicht-deutschsprachigen Oktoberfest-Besuchern und „Einheimischen“ in der Praxis? Wir testen es mit Engländerin Emily. Eigentlich spricht sie perfekt Deutsch, schließlich lebt und arbeitet sie seit acht Jahren in Deutschland. Doch für uns vergisst sie all ihre Sprach-Skills heute einmal – und tut so, als hätte sie in ihrem Leben nie etwas anderes gesprochen als feinstes britisches Oxford-Englisch.

 

Los geht’s am Hauptbahnhof. Emily hat eine kleine Erkältung, möchte sich einen frischen Smoothie gönnen. Sie fragt die Verkäuferin: „Do you speak English? I’ve got a little cold. Is there a juice you can recommend that’s good against a cold, with lots of vitamin C?“ Schweigen. Die Saft-Verkäuferin: „You must speak slow, we are not so good.“ Zu ihrem Kollegen meint sie: „Ihr ist kalt!“ Er entgegnet: „Aber ‚Cold’ heißt doch Erkältung.“ Emily bekommt einen Drink mit Cranberry, Mango und Orange kredenzt.

 

Als nächstes möchte sie wissen, wie sie am besten zum Oktoberfest kommt. Sie spricht einige Bahn-Mitarbeiter an. Die winken gleich ab, kein Englisch! Am Infopoint sitzt eine Dame, die sich redlich bemüht und Emily erklären kann, mit welchem Ticket sie für drei Tage in München bestens gerüstet ist. Das aber eher mit Händen und Füßen als mit fließendem Englisch. Drei Burschen hingegen können sich ausdrücken, schicken unsere Sprach-Testerin aber in die völlig falsche U-Bahn. Dabei hatte Emily vorher extra gefragt, ob sie „Locals“ sind. An den U-Bahn-Gleisen wagen wir erneut einen Versuch und sprechen die Ordner an, die zur Wiesnzeit dafür sorgen, dass alle ordnungsgemäß in die Bahnen ein- und ausstiegen und die Waggons nicht überfüllt sind. „Can you recommend a good tent?“, möchte Emily wissen. Die Ordnerin versteht nicht, holt einen Kollegen dazu. „Wie sie vom Oktoberfest wieder zurückkommen, wollen Sie wissen?“, interpretiert dieser Emilys Frage. Dabei möchte Emily doch nur wissen, welches Zelt das beste ist. Bei der Vokabel ‚Tent’ stößt sie allerdings auf fragende Gesichter.

Wir erreichen das Oktoberfest – wissen aber noch immer nicht, welches Zelt die Münchner favorisieren. Wir sprechen eine Teenager-Clique an. Die wissen sofort, was ein ‚Tent’ ist. Ihr Englisch ist ausgezeichnet. Sie raten „There are so many people out here, you won’t get into a tent right now. But the Ochsenbraterei ist the best one. Probably you should come back tomorrow morning at 9 o’clock.“ Emily ist beeindruckt. Ihr Fazit: In München geben sich alle viel Mühe. Vom Taxifahrer bis zu den Bahn-Angestellten. Von den Restaurant-Bedienungen bis zum Zimmermädchen. Aber wer wirklich weiterkommen möchte, sollte mit Jugendlichen sprechen. Deren Englisch ist nahezu fließend, sie kennen sich in ihrer Stadt aus und geben gute Tipps. Diejenigen allerdings, die berufsbedingt eigentlich am meisten Kontakt mit Touristen haben, sollten vielleicht noch ein bisschen etwas für ihre persönliche Fähigkeit zur Völkerverständigung tun.

 

 

 

images: Kira Brück

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