Das Leben in Großbritannien: Matteo – von Italien nach East London

Wie ist es, im Ausland und in einem englischsprachigen Land zu leben, weit weg von zuhause und den Liebsten? Ich habe einige meiner Freunde gefragt, die es selbst herausfinden wollten und sich für ein neues Leben fern der Heimat entschieden haben.

Matteo ist 23 Jahre alt und stammt aus einer kleinen Stadt in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Er kam nach London, um seinen Träumen zu folgen, und arbeitet als interaktiver Designer und Frontend-Entwickler in einer digitalen Kreativagentur im Osten Londons.

Warum hast du dich für London entschieden und nicht für eine andere europäische Stadt?

Diese Stadt hat mich verzaubert. Schon seit meiner Kindheit war und ist mein größter Traum, in New York City zu leben. Ich weiß noch, wie ich meiner Familie die ganze Zeit damit auf die Nerven ging und jedem erzählte, meine Zukunft liege dort. Aber dann, als ich 18 war, entschied einer meiner besten Freunde, den Schulabschluss in London zu feiern. Meine Freundin und ich fuhren mit und haben uns buchstäblich in die Stadt verliebt. Von dem Moment an sind wir jedes Jahr nach London zurückgekehrt, und im Moment plant sie ihren Umzug hierher.
Was war dein erster Gedanke, als du nach London gezogen bist? Wie hast du dich gefühlt?

Ich glaube, was mir zuerst auffiel, als ich zum ersten Mal in London aus dem Flugzeug stieg, war der Himmel. Es war Sommer, und ich kann mich noch an diesen wunderschönen tiefblauen Himmel mit fantastischen weißen Wolken erinnern. Im Stadtzentrum angekommen, war ich gefangen von der Spannung und der Energie, die ständig durch London strömen, vom Zauber der Stadt und ihren Lichtern. Aber als ich dann alleine hierher zog, war meine Ankunft ganz anders – härter und weniger poetisch.
Kannst du drei Dinge nennen, die du an London liebst, und drei, die du hasst?

Da wären zunächst mal die Parks, ich liebe die Parks. Sie sind riesig, majestätisch, befinden sich inmitten einer enormen Stadt und sind doch vollkommen natürlich. Manche gibt es schon seit Jahrhunderten! Was mir auch sehr gut gefällt, ist dass ich so gut wie jede Küche aus jedem Teil der Welt probieren kann, ohne die Stadt zu verlassen.

 

Drittens: die Musik- und die Kunstszene. Um ehrlich zu sein, war ich in den letzten paar Monaten zwar nicht bei vielen Konzerten, aber die Auswahl ist großartig. Jeden Abend spielen Hunderte von Bands live, egal ob Montag oder Freitag und egal, welches Genre man will. Bei der Kunst ist es ähnlich: Es gibt Ausstellungen en masse!

 

Weniger mag ich, dass man sich in London ziemlich fremd fühlen kann. In Bezug auf die Menschen, die um einen herum leben, ist es schwierig, sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen, wie ich es aus Italien kenne. Das liegt sicherlich an der englischen Kultur, die Außenseitern gegenüber sehr verschlossen sein kann. Darüber hinaus hasse ich die Tatsache, dass London so teuer ist. Viel mehr lässt sich darüber gar nicht sagen, die Preise sind einfach horrend. Und schließlich habe ich auch ein Problem mit den Entfernungen. Die Stadt ist riesig und bietet so vieles, was man sich kaum vorstellen kann, aber meistens dauert die Reise von A nach B mit der Bahn hier 30 oder 40 Minuten (und wahrscheinlich genauso lange mit dem Bus).

 

Welcher Teil von London gefällt dir am besten, und wo hältst du dich am liebsten auf?

Ich glaube, mein Lieblingsort von London ist Victoria Park und Umgebung, vor allem nördlich des Parks. Ich halte mich sehr gerne in De Beauvoir Town, Dalston, Shoreditch und Hackney auf, das ist mehr oder weniger, wo ich in East London arbeite und wohne.


Was ist der schwierigste Aspekt des Lebens in London, an den du dich gewöhnen musstest?

Hm, eigentlich ist es etwas, das nicht exakt mit dem Leben in Großbritannien zu tun hat, sondern allgemein mit dem Leben im Ausland und fern von dem, was man zuhause genannt hat oder noch immer nennen kann. Diese Erfahrung hat meine Beziehungen zu meiner Familie und den Menschen, die ich liebe, verändert. So weit weg von meinen Verwandten zu sein, hat unsere Bindung gekräftigt und mich verstehen lassen, wer und was mir im Leben wirklich am Herzen liegt, was mir wichtig ist und was nicht, obwohl ich vielleicht einmal anders gedacht habe.
Hat England dich verändert? Und wenn ja, wie?

Ja, ich glaube, England hat mich definitiv verändert. Es hat verändert, wie ich meine Beziehungen zu anderen Menschen sehe, und mich gelehrt, wie man in einer komplexen, multiethnischen Gesellschaft lebt – einer Gesellschaft, deren Merkmale auch viele Komplikationen und Widersprüche für den Alltag mit sich bringen, wo aber die Regeln des (beinahe) friedlichen Zusammenlebens tatsächlich befolgt werden, und wo man die Chance bekommt, zu sein, was auch immer man ist oder sein will, und das auf weniger komplizierte Art, als man es in meinem Land erwarten könnte.

 

Würdest du es noch mal tun, und bereust du irgendetwas an deinem Abenteuer in Großbritannien?

Ja, trotz allem, was ich normalerweise von mir gebe, ich glaube, ich würde es noch mal tun. Ich liebe diese Stadt, und das wird sich auch wohl nie ändern. Ich bin menschlich und beruflich hier sehr gewachsen, das kann ich kaum abstreiten. Aber ich muss zugeben, dass ich es wahrscheinlich nicht noch einmal alleine tun würde. In einer so temporeichen Stadt ist es nicht so einfach, wie es aussieht, neue Freunde zu finden. Ich glaube, wenn man jemanden bei sich hätte, mit dem man die Schönheit dieser Stadt und auch die Schwierigkeiten, vor die sie einen stellt, gemeinsam erleben könnte, wäre das sehr, sehr hilfreich.

 

 

 

 

image: the bbp

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