Das Leben in Großbritannien: Giulio – von Italien nach London

Giulio ist 29 Jahre alt. Er hat Politikwissenschaften in Bologna, Italien, studiert und ist dann nach Paris gezogen, wo er für eine internationale Organisation tätig war. Dann beschloss er, für ein sechsmonatiges Praktikum nach London zu gehen. Ein Jahr später ist er immer noch dort und arbeitet in einem der bekanntesten Pubs im East End. Er berichtet über sein Leben in Großbritannien.

 

Warum hast du dich für London entschieden und nicht für eine andere europäische Stadt?

London ist eine Stadt der Möglichkeiten, es gibt keinen vergleichbaren Ort in Europa. London ist mehr als Europa, es ist ein Weltzentrum mit unendlichen kulturellen und gesellschaftlichen Kombinationen. Bevor ich mein Heimatland verließ, konnte ich London als Tourist kennenlernen. Als mir dann ein Halbjahresvertrag bei einer Organisation in London angeboten wurde, stand ich unverzüglich vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen.

 

Was war dein erster Gedanke, als du in der Stadt gelandet bist? Wie hast du dich gefühlt?

 

In mir ging vieles gleichzeitig vor. Ich fühlte mich frei und ein wenig verloren, überwältigt von dem enormen Menschenstrom und der Bewegung unter der Erde, auf der Erde und sogar über der Erde – nicht eine Sekunde vergeht, ohne dass ein Flugzeug über die Stadt fliegt. Irgendwann zieht man automatisch bei dem Tempo mit, es ist zwar stressig, aber auch anregend.
Kannst du drei Dinge nennen, die du an London liebst, und drei, die du hasst? 

 

Ich liebe die Musikszene, die verschiedenen Sprachen, die man zu Tausenden hört, und die unendlichen Möglichkeiten, neue Freundschaften zu schließen.

 

Ich hasse das Wetter, das Essen und die Preise.
Welcher Teil von London gefällt dir am besten, und wo hältst du dich am liebsten auf?

 

Tagsüber sind Broadway Market und der Regent Canal ideal für einen Spaziergang oder einen Kaffee mit Freunden. Nach 22:00 Uhr sind Dalston und Shoreditch unschlagbar, wenn es ums Spaßhaben geht.
Was ist der schwierigste Aspekt des Lebens in London, an den du dich gewöhnen musstest?

 

Ich hätte niemals damit gerechnet, dass man sich eine Woche vorher mit seinen Freunden verabreden muss. Es hat ewig gedauert, bis ich verstanden habe, dass London zeitraubend ist und dass jede noch so einfache Sache genau geplant werden muss. Entfernungen, Verkehr, der hektische Alltag – all diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass ich meine Einstellung zum Thema Zeit und Zeitplanung ändern musste.
Hat England dich verändert? Und wenn ja, wie?

 

Es hat mich in der Hinsicht verändert, dass ich jetzt pragmatischer und effektiver vorgehe, wenn ich etwas erreichen möchte. Außerdem bin ich dank der vielen verschiedenen Menschen und kulturellen Kontexte, in denen man sich ständig befindet, toleranter und flexibler geworden.
Würdest du es noch mal tun, und bereust du irgendetwas an deinem Abenteuer in Großbritannien?

 

Natürlich würde ich noch mal hierher ziehen, keine Frage. Diese Erfahrung ist nicht nur einzigartig, sondern bedeutet einen ungeheuren Mehrwert für mein Leben. Es macht nichts, dass man manchmal kämpfen muss, Heimweh hat und sich einsam fühlt. Das alles verschwindet sofort, wenn man jemand Neuen aus einem anderen Teil der Welt kennenlernt, der genauso erpicht darauf ist, eine neue Art des Lebens zu erforschen wie man selbst. In London ist es einfach, zu teilen, und Teilen macht glücklich.

image:  bvi4092

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