Eine Italienerin in London: Beschweren oder nicht beschweren?

Ich arbeite in einem Pub, wo der Preis für ein Pint zum Jahresanfang um zwanzig Pence erhöht wurde. „3,95 £? Aber gestern waren es noch 3,75 £“, sagten die meisten Stammgäste. Solche Beschwerden lassen sich nach den Preiserhöhungen zum Januar überall in London vernehmen, egal ob ich Gesprächen auf dem Bahnsteig oder in der Warteschlange im Café lausche.

Ich glaube, viele Londoner sind der Ansicht, dass vernehmliches und häufiges Beklagen mit kostenlosen Mahlzeiten, Getränken oder Busfahrscheinen belohnt wird und man dann den ganzen Tag essen und trinken kann, ohne das Portemonnaie zu zücken. Muss ich z. B. länger als 15 Minuten auf eine frisch zubereitete Mahlzeit warten, so könnte ich darauf bestehen, sie gratis zu bekommen. Ist mein Kaffee bitter, mein Wein furchtbar oder mein Bus zu spät, so könnte ich nach den Londoner Beschwerderegeln all diese Dinge oder Dienstleistungen umsonst einfordern.

Dieses ewige Beschwerdeführen ist zwar ganz schön anstrengend, vor allem wenn man als Dienstleistungsanbieter auf der anderen Seite steht, aber ich habe jetzt begriffen, dass das fortwährende Erbsenzählen zu einer besseren Qualität und einem höheren Lebensstandard und nicht zuletzt zu besserem und effizienterem Service geführt hat.

Und während sich die Briten immer kreativere Wege des Beschwerens einfallen lassen, lehne ich mich zurück und warte darauf, dass mein Kaffee besser wird und dass er, wenn ich morgen wiederkomme, vielleicht sogar billiger geworden ist.

 

 

image: Britta Frahm

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